Nu-Metal-Flashback mit Hardcore-Härte: Ein 10/10-Meisterwerk
Manchmal braucht es keinen kompletten Neustart, sondern einfach den Moment, in dem alles klickt. bleed///reboot ist genau dieser Moment. Dagger Threat aus Hamburg nehmen das, was den Vorgänger Weltschmerz bereits stark gemacht hat, ziehen die Schrauben fester – und lassen das Experimentelle dort, wo es hingehört: als atmosphärisches Hintergrundrauschen, nicht als Selbstzweck.
Versteht mich nicht falsch: Weltschmerz war kein Fehltritt. Da wurde viel ausprobiert, vielleicht hier und da ein Tick zu viel für meinen persönlichen Geschmack – aber genau daraus ist jetzt etwas gewachsen, das kompromisslos sitzt. Die Hamburger Jungs um Sänger Tim haben mit diesem Silberling komplett ins Schwarze getroffen. Das ist brutaler Beatdown-Hardcore, der irgendwo zwischen Slipknot, Dry Kill Logic und den Deftones grinst, knurrt und dir gleichzeitig die Kehle zudrückt.
Beim ersten Durchlauf war ich schlagartig wieder 16. Kinderzimmer. Kopfhörer viel zu laut. Dieses Gefühl, gerade den nächsten großen Nu-Metal-Act für sich entdeckt zu haben. Und genau das ist der Punkt: bleed///reboot klingt nicht wie ein billiger Throwback. Die Platte atmet den Spirit der frühen 2000er, nimmt die DNA dieses Sounds und formt daraus etwas Eigenständiges. Atmosphäre, Songwriting, Druck – alles greift ineinander, alles fühlt sich richtig an. Das Album hat Kante, es hat Groove, und vor allem hat es Power!
Ein besonderes Brett ist das Drumming. Sascha sprengt hier jede verdammte Grenze. Das ist präzise, brutal, verspielt und gnadenlos auf den Punkt. Teilweise fühlt man sich unweigerlich an David Silveria oder Joey Jordison erinnert – und das ist wahrlich kein kleiner Vergleich. Hut ab, wirklich.
Unterm Strich ist bleed///reboot ein absolutes Wahnsinnsalbum. Keine Füller, keine unnötigen Spielereien, dafür maximale Wirkung. Eine 10/10 mit Sternchen. Ich kann es kaum erwarten, mir davon live den Schädel neu justieren zu lassen – und hoffe, die Jungs bald auch mal zum Interview begrüßen zu dürfen.
Dagger Threat sind angekommen. Und sie sind verdammt laut.