Souveräne Schlächter: Blood Red Throne bleiben eine Bank
Man mag es kaum glauben, aber Blood Red Throne gehören inzwischen zu den alten Haudegen des Death-Metal-Zirkus. Was einst als norwegischer Seitentrieb aus dem Satyricon-Umfeld für hochgezogene Augenbrauen sorgte, ist längst eine verlässliche Abrissbirne im Genre. Schon früh bewies die Band, dass Death Metal auch aus dem Black-Metal-Kernland kommen darf, ohne sich dafür zu entschuldigen – und genau diese Haltung tragen sie bis heute mit stolzgeschwellter Brust vor sich her.
Stiltskin macht da keine Gefangenen. Die Norweger bleiben ihrer Linie treu: Death Metal mit tiefen Wurzeln in den frühen Neunzigern, knackig produziert, riffstark und erstaunlich eingängig, ohne auch nur eine Sekunde anbiedernd zu wirken. Schon der Opener sägt sich mit chirurgischer Präzision durch die Gehörgänge, während weitere Brecher kompromisslos nachlegen und keinen Zweifel daran lassen, dass hier Profis am Werk sind, die ihr Handwerk nicht nur beherrschen, sondern zelebrieren.
Stilistisch fühlt man sich irgendwo zwischen der geschmeidigen Finesse klassischer Death-Riffs, der giftigen Boshaftigkeit eines Glen Benton und der sezierenden Brutalität von Carcass abgeholt. Das Ganze wirkt dabei weder angestaubt noch verkopft, sondern wie ein gut geöltes Schlachtwerkzeug, das genau weiß, wo es ansetzen muss. Hooks sind vorhanden, ohne die Nackenmuskulatur zu verraten, und die Songs kommen schnell auf den Punkt – kein unnötiger Ballast, kein akademisches Gefrickel.
Vor allem aber merkt man Stiltskin an, dass Blood Red Throne immer noch höllischen Spaß an ihrer morbiden Kunst haben. Diese Spielfreude überträgt sich mühelos auf die Hörerschaft und macht die knappe Dreiviertelstunde zu einem angenehm schmerzhaften Vergnügen. Kein revolutionäres Manifest, aber ein verdammt souveräner Beweis dafür, dass routinierter Death Metal auch 2026 noch ordentlich Gift und Galle spucken kann.